Logo FWID

EU-Berufsanerkennungsrichtlinie

studium_panthermedia_7738425.jpg

Die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie (2005/36/EG) regelt die berufliche Anerkennung für die sogenannten reglementierten Berufe. Sie gilt für alle Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der Europäischen Union (EU), des sonstigen Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und der Schweiz, die ihre Qualifikation in einem Mitgliedsstaat erworben haben. Sie gewährleistet diesen ausländischen Staatsangehörigen den Zugang zu demselben Beruf unter denselben Voraussetzungen wie Inländern.

Die Berufsanerkennungsrichtlinie ist am am 20. Oktober 2005 in Kraft getreten und war daraufhin innerhalb von zwei Jahren von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umzusetzen. In Deutschland ist die Richtlinie in den beruflichen Fachgesetzen und Verordnungen umgesetzt worden.

Die Richtlinie wurde 2013 novelliert. Eine Neuerung der Reform ist die Einführung von Berufsausweisen. Zudem wird es möglich, die Verfahren nach der Berufsanerkennungsrichtlinie wahlweise auch über die Einheitlichen Ansprechpartner in den Ländern abzuwickeln.

 

Niederlassungsfreiheit

Wollen sich EU-Bürgerinnen und EU-Bürger in einem anderen Mitgliedstaat niederlassen und dort ihre Tätigkeit in einem reglementierten Beruf dauerhaft ausüben, dürfen sie für sich die Niederlassungsfreiheit in Anspruch nehmen. Für diesen Fall sieht die Europäische Union bei sieben sogenannten „sektoralen“ Berufen (Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Krankenpfleger, Hebammen, Architekten) eine automatische Anerkennung der im Anhang der Richtlinie aufgelisteten Berufsqualifikationen vor. Grund ist, dass es für diese Berufe in der gesamten Europäischen Union einheitliche Ausbildungsstandards gibt.

Jedoch ist für alle anderen reglementierten Berufe eine individuelle Prüfung der Gleichwertigkeit der beruflichen Qualifikation durch die zuständigen Anerkennungsstellen vorgesehen. Stimmen die Inhalte und Dauer der Ausbildung weitestgehend überein, erfolgt eine volle Anerkennung. Wenn sich die Ausbildungsinhalte zum Teil unterscheiden, kann man immer noch eine Teilanerkennung erreichen. Etwaige fehlende Kenntnisse können Antragsteller durch eine Eignungsprüfung oder einen Anpassungslehrgang ausgleichen. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Prüfung oder des Anpassungslehrgangs kann dann eine volle Anerkennung erreicht werden.

 

Dienstleistungsfreiheit

Die Dienstleistungsfreiheit ermöglicht Bürgern der EU-Mitgliedstaaten in Deutschland, unter den gleichen Voraussetzungen wie Deutsche, Dienstleistungen zu erbringen. Für diese zeitlich begrenzte Tätigkeit besteht keine Verpflichtung, sich seine beruflichen Qualifikationen anerkennen zu lassen. Ausgenommen hiervon sind Tätigkeiten, die Auswirkungen auf die Sicherheit und die Gesundheit von Personen haben können.

 

Die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen

Sämtliche Länder der Europäischen Union (EU), des Europäischen Wirtschaftraumes (EWR), die Schweiz sowie die Staaten des Europarats und der UNESCO (Region Europa) haben eine Informationsstelle, die im Sinne der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie Auskunft über Bildungsabschlüsse und berufliche Berechtigungen im eigenen Staat geben. Regelmäßig wird diese Funktion durch die NARICs (National Academic Recognition Information Centres) beziehungsweise das ENIC (European Network of Information Centres) ausgeübt. In Deutschland hat die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) diese Rolle übernommen.

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Internetseite der Europäischen Kommission.

Die Texte der Berufsanerkennungsrichtlinie und ihrer Novelle sowie Berufsverzeichnisse der reglementierten Berufe erhalten Sie im Download.